Die Bedeutung von Korkeichen in Tossa de Mar
An den Wäldern um Tossa kann man noch heute den früheren Haupterwerb der Bevölkerung erkennen. Korkeichen, die vor allem im 19. Jahrhundert der Reichtum des Ortes waren dominieren überall. Vor allem die mächtigen alten Bäume der Cadiretes![]()
zeigen dem Wanderer die Wirtschaftsgeschichte Tossas der letzten 300 Jahre.
Auch wenn von der Korkverarbeitung oder der Korkherstellung in Tossa selbst heute keine Spur mehr zu finden ist, so gehört die Stadt dennoch zu jenen, die sich zusammen mit Agullana, Llagostera und Sant Feliu de Guíxols um die Behauptung streiten die erste gewesen zu sein, die Nutzen aus den Korkeichen gewannen und den damaligen wirtschaftlichen Aufschwung der Selva in die Wege leiteten. Auch wenn man die Antwort auf diese Frage schuldig bleiben muss, als gesichert gilt jedoch, dass Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 40% der Bevölkerung der Stadt Tossa direkt oder indirekt von der Korkherstellung ernährt wurde.
Heute finden sich in Llagostera noch einige wenige Verarbeitungsstätten von Kork und Sant Feliu de Guíxols präsentiert in einem der Museumsräume eine Ausstellung zum Thema Kork. Wirtschaftliche gesehen spielt Kork jedoch nur noch eine sehr geringe Rolle in den Nachbarorten von Tossa. Die Korkeichen in Tossa selbst werden zum Teil kaum noch unterhalten und ihr Sterben hat bereits begonnen, obwohl dieser Baum gerade wegen seiner Besonderheiten in jedem Mittelmeerwald geschützt werden sollte.
Die Korkeiche (Quercus suber) ist ein typischer Baum des Mittelmeerraumes und gehört mit zu den wenigen Bäumen, die im Laufe der Jahrhunderte, wie auch der Erdbeerbaum![]()
(Arbutus unedo), geradezu "feuerfest" wurden und die häufigen Waldbrände ohne Schaden überleben können. In Katalonien nennt man den Baum alzina surera, einfach surera oder noch häufiger suro. Einigen der Bäume, so im Parc de Sa Riera![]()
(Suro de la Descàrrega) oder nahe den Pins del Bisbe (Suro de la Custòdia), die am Camí del Aigua zu finden sind, begegnet ein Tossenc fast schon mit einer gewissen Achtung.
Der Suro ist in den westlichen Mittelmeerländern beheimatet und wird in der Regel 150 bis 250 Jahre alt, obwohl auch einige wenige Exemplare das stolze Alter von 400 Jahren erreichen. Der erste Kork kann in der Regel bei einem Baumalter von 40 bis 50 Jahren geschält werden, eine Arbeit, die nur von Hand erfolgen kann. Während der erste Kork, man spricht hier vom männlichen Kork, minderer Qualität ist, kann später alle 9 bis 14 Jahre der weibliche Kork geschält werden aus dem dann die "klassischen" Weinkorken erstellt werden, die heutzutage mehr und mehr von Kunststoff ersetzt werden.
Die Korkeiche, ein typisches Gewächs des Mittelmeers, gedeiht am besten bei einer Durchschnittstemperatur von 12° bis 17° Celsius, verträgt jedoch auch Temperaturen von über 40° Celsius. Temperaturen unter -5° Celsius dagegen können ihr Todesurteil sein. Der Baum ist Dürreresistent, was bedeutet, dass er auch längere Trockenphasen unbeschadet übersteht indem er seinen Stoffwechsel reduziert. Was die Korkeiche ebenfalls nicht verkraftet ist ein kalkreicher Boden, was wiederum die Antwort darauf gibt, warum auch die Mittelmeerpflanzen![]()
um Tossa vor allem jenen angehören, die sauren Boden bevorzugen oder ihn zumindest tolerieren.
Kork hat in Katalonien, so auch in Tossa de Mar, natürlich nicht nur einen wirtschaftlichen Wert, sondern geht auch in zahlreiche Traditionen![]()
ein. So gibt es keine katalanische Weihnachtskrippe, die pessebre, ohne Kork und Moos und auch der Tió de Nadal, der im Dezember nur in wenigen katalanischen Häusern fehlt, besteht häufig aus einem Stück Korkeiche mit einer Nase aus einem Flaschenkorken.




